Fortgang des Bietens
Springt einer der Partner im Verlaufe des Bietprozesses auf ein Partiegebot (3 Ohne, 4 Pique oder Coeur, 5 Caro oder Treff), so bedeutet, das im allgemeinen, dass damit das Bieten von seiner Partei aus beendet sein, also nicht auf Schlemm gegangen werden soll. Daraus folgt, dass - besonders nach einem zwingenden Gebot, das gewisse Aussichten auf Schlemm eröffnet - keiner der Partner auf Partie-Gebot springen soll, wenn er nicht ausdrücklich auf Grund dessen, was er von seiner Karte hält und - aus dem Bieten seines Partners - von dessen Karte weiss, das Schlemm-Gebot für unmöglich hält.
Bei dem Bieten werden die Mitspielenden oft die Überlegung anzustellen haben, in welcher Farbe beim Partner die von ihm durch sein Gebot angedeuteten HT stecken können. Beispiel: ein Mitspieler macht eine Erstansage von 2 Farbtricks, hat also mindestens 4,5, vielleicht sogar 5 - 5,5 HT. Da es im Spiel etwa 8 HT gibt, stecken also in allen 3 anderen Karten höchstens 2,5 - 3,5 HT. Wenn nun der Partner des Erstansagenden das Gebot nicht durch "2 Ohne" ablehnt, sondern erhöht, demnach von den nicht beim Erstansagenden befindlichen 2,5 - 3,5 HT mindestens 1,5 HT hat, so wird der Erstansagende oft nach der eigenen Karte und nach den Geboten seines Partners und evtl. auch des Gegners vermuten können, welches diese 1,5 HT sind.
Zweck des Bietens ist, daß jeder der beiden Zusammenspielenden dem anderen möglichst kundgibt, ob und welche Stärken er in seiner Karte hat. Darum ist es immer besser, auf eine Erstansage eine neue Farbe zu nennen, sofern die Karte stark genug ist, als die vom Partner genannte Farbe nur zu unterstützen. Ganz besonders ist das systematische Weiter-bieten unter Nennung aller Stärken notwendig nach einem zwingenden Gebot, damit sich derjenige, der dieses abgegeben hat, klar wird, ob er bis zum Schlemm-Gebot durchhalten kann.
Ein Hilfsmittel hierzu sind die Viererfragen. Durch diese will derjenige, der ein zwingendes Gebot abgegeben hat, nachdem beide Partner oder zum mindesten der Forcierende über die Spielfarbe klar ist, feststellen, wieviel und evtl. welche Asse sein Partner hat. Er bietet zu diesem Zweck entweder "4 Ohne", worauf sein Partner, wenn er kein As hat, mit "5 Treff", wenn er 1 As hat, mit "5 Karo", wenn er 2 Asse hat, mit "5 Coeur", wenn er 3 Asse hat, mit "5 Pique" antwortet. Er kann aber auch, um den Besitz eines bestimmten Asses (z. B. Karo As) in der Hand seines Partners festzustellen, 4 von der Farbe dieses Asses, also im Beispielsfalle "4 Karo", bieten. Hat der Partner dieses As als einziges As, so antwortet er "5 Karo"; hat er Karo As und 1 anderes As oder Karo As nicht, dafür aber 2 andere Asse, so antwortet er "4 Ohne"; hat er Karo As nicht, aber 1 anderes As (z. B. Coeur As), so antwortet er in der erforderlichen Höhe mit der Farbe dieses Asses (z. B. 4 Coeur); hat er Karo As nicht und auch kein anderes As, so geht er in der erforderlichen Höhe auf die im vorausgegangenen Bietprozess festgelegte Spielfarbe zurück. Jedenfalls ist jedes Gebot, das ein Spieler, der forciert hat, in Viererhöhe macht, von seinem Partner als Frage im obigen Sinne aufzufassen und zu beantworten. In gleicher Weise kann, wenn man glaubt, vielleicht auf Groß Schlemm gehn zu können, in der Fünferhöhe nach den Königen gefragt werden. Auf Grund dieser Antwort entscheidet der Forcierende, ob er bis Klein Schlemm oder sogar Groß Schlemm gehn, also 6 bzw. 7 Tricks in der im Verlaufe des Bietprozesses klargestellten Spielfarbe bieten kann.
Contra und Re. Gegen ein von einer Partei gemachtes Gebot kann jeder Mitspieler der Gegenpartei "Contra" sagen, was einem eigenen Gebot gleichzusetzen ist. Damit kosten alle Tricks das Doppelte. Hiergegen kann die Partei, der "Contra" geboten wurde, "Re" ansagen, womit die Bewertung auf das Vierfache steigt; Bewertung von Unter- und Überstichen nach Tabelle.
Man unterscheidet dabei ein "negatives" oder "Hab-Acht"-Contra und ein "Straf-Contra", Um welches es sich handelt, darf natürlich nicht gesagt werden; das muss jeder Beteiligte nach dem Stand des Bietens wissen.
Das Contra als "negatives" oder "Hab-Acht"-Contra (vergl. Beispiel-Spiel 5) wird ein Mitspieler bieten, wenn ein Gegner eine einfache Farbansage gemacht hat und wenn er selbst mindestens 3,5 HT, aber keine bietfähige Farbe hat, jedoch in jeder ausser der vom Gegner genannten Farbe so stark ist, dass, wenn sein Partner seine längste Farbe bietet (natürlich nicht die vom Gegner genannte), ein aussichtsreiches Spiel herauskommt. Wenn auf das Contra der nächste Mitspieler passt, muß der Partner desjenigen, der Contra geboten hat, seine längste Farbe bieten, auch wenn er keinerlei HT hat; er weiss ja aus dem Contra seines Partners auf 1 vom Gegner gebotenen Farbtrick, dass sein Partner dies nur mit 3,5 HT und mit guter Deckung in den vom Gegner nicht genannten Farben tun darf und dass sein Partner nur eine lange Farbe braucht, um ein Spiel mit Aussicht auf Gewinn durchzuführen. Hat der gegnerische Mitspieler auf das Contra hin geboten, so ist der Partner desjenigen, der Contra geboten hat, von der Pflicht, auch mit schlechten Karten zu bieten, entbunden; hat er aussichtsreiche Karten, so wird er sie natürlich zu einem Gebot ausnützen.
Das Contra als "Straf-Contra" kann nach dem Gebot einer höheren Trickzahl von einem der Gegenspieler geboten werden, wenn er glaubt, auf Grund seiner Karten, sei es des Trumpfes oder der Beikarten, und etwaiger Gebote seines Partners das Spiel zu Fall bringen zu können. Gegen ein Gebot, das noch nicht den Partiegewinn ausmachen würde, wird ein Gegenspieler nur dann Contra bieten, wenn er des Erfolges sicher ist, da er sonst 4er Spielpartei infolge der doppelten Berechnung zum Partiegewinn verhelfen würde. Auf ein Contra bleibt es beiden Spielern der Partei, der Contra geboten wurde, überlassen, auf eine andere Farbe abzuspringen; sie wird sich aber sehr überlegen müssen, ob ein anderweitiges Gebot, vor allem, wenn es mit 1 Trick mehr gemacht werden muss, bessere Aussichten als das kontrierte Gebot hat. Der Mitspieler desjenigen, der Contra geboten hat, wird im allgemeinen passen und die Gegenpartei ihre hochberechneten Unterstiche verlieren lassen, es sei denn, dass er Grund zu der Annahme hat, dass der Gegner sein kontriertes Spiel doch gewinnt und dass seine eigene Partei Aussicht hat, in einer von ihm genannten Farbe Erfolg zu haben.
Dem negativen Contra ähnlich ist, wenn ein Spieler ein von einem Gegner gemachtes Gebot sofort in derselben Farbe überbietet, also z. B. auf 1 Coeur des Gegners 2 Coeur bietet. Ein solches Gebot setzt 4,5 HT und As oder Fehlfarbe in der überbotenen Farbe voraus und ist ein zwingendes Gebot, also eine Anregung, mindestens bis Partiegewinn, möglichst bis zum Schlemm weiterzubieten. In Wirklichkeit will der Betreffende natürlich gar nicht die gebotene Farbe spielen, sondern seinem Partner nur zeigen, dass er ungewöhnlich stark ist. Der Partner muss daraufhin, wenn der dazwischensitzende Gegenspieler passt, unbedingt weiterbieten, indem er seine beste Farbe nennt. Hat der dazwischensitzende Gegenspieler geboten, so wird er, wenn er kein völlig leeres Blatt hat, trotz etwa fehlender HT seinem sehr starken Mitspieler wenigstens seine längste bzw. beste Farbe nennen, auf die dieser dann vielleicht bis zum Partiegewinn bieten kann.